Projekt 230 CE

Projekt 230 CE

Hier hat uns eine sehr schöne Geschichte von einem Autoliebhaber erreicht. Es ist nicht irgendein Auto, sondern es handelt sich um einen Mercedes Benz 230CE. Besonders freut es uns natürlich, dass wir von Steenbuck-Automobiles auch ein Teil dieser Geschichte sind und zum Happy End beitragen konnten.

Es wird gesagt, dass man seine erste Liebe nie vergisst. Meine erste Liebe war ein Mercedes Benz 230 CE ( W 123, 1982) , den mein Vater mir zu meinem 30. Geburtstag schenkte. Grün- metallic, mit üppiger Chromverzierung und Vollausstattung. Ein Traumwagen! Ich war stolz wie Oskar! Zu dieser Zeit lernte ich meine spätere Frau kennen. Wir haben gemeinsam sehr schöne Fahrten und Reisen mit unserem Benz unternommen. Der Wagen hat uns dabei nie im Stich gelassen.

Im August 1987 haben meine Frau und ich geheiratet. Ihr und auch mein Wunsch war es, unseren treuen 230 CE als Hochzeitswagen zu schmücken. Unser Schwager und seine Frau haben uns damals zur Kirche gefahren. Es war eine Meisterleistung, vier Personen ( plus Brautkleid !) in dem doch etwas engen Wagen zu verstauen. Und dass mein Schwager über 1,90 m gross ist , kam noch erschwerend hinzu. Hintere Beinfreiheit gleich null. Egal, wir fuhren glücklich in “unserem” Wagen zur Trauung .

In den Jahren danach genossen wir die vielen Touren und Reisen mit unserem zuverlässigen Benz. Im Jahr 1990 brachte ich den Wagen zur turnusmäßigen Inspektion zum Autohaus Paasche nach Ellerau und erwartete keinerlei Probleme. Leider war das nicht der Fall. Der böse Geselle Rost hatte sich an mehreren Stellen massiv eingeschlichen, und nur eine sehr teure Teilrestaurierung hätte den Wagen wieder fahrtauglich gemacht. Nach reiflicher Überlegung entschloss ich mich schweren Herzens, den Wagen an das Autohaus Paasche zu verkaufen und den 190 E meiner Mutter zu übernehmen. Auch ein Mercedes, aber eben nicht der wunderschöne 230 CE, dem ich noch lange nachtrauerte. In der Zwischenzeit kamen und gingen bei mir unterschiedliche Modelle mit dem Stern.

Im Juni 2009 beging das Autohaus Paasche sein 6o jähriges Firmenjubiläum, zu dem ich als Gast eingeladen war. Während der Feier kamen der Inhaber, Herr Kurt Grädener, und ich ins Gespräch. Ich fragte Herrn Grädener, ob er wüsste, was aus meinem Benz geworden sei, denn ich hätte ihn gerne wieder zurückgekauft.
Der Grund: Zur Silberhochzeit im Jahr 2012 plante ich, meine Frau mit unserem damaligen ” Hochzeitswagen” zu überraschen.

Herr Grädener fand die Idee toll und bot mir spontan Hilfe bei der Suche an. Leider war der Wagen trotz ausgiebiger Recherchen nicht mehr auffindbar. Das Ende einer guten Idee? So schnell gab ich nicht auf! Aber weiteres Suchen im Internet nach einem ähnlichen 230 CE hatte keinen Erfolg. Die mir angebotenen Fahrzeuge waren in keinem guten Zustand, hatten zu viele Kilometer auf dem Tacho oder die Preisvorstellungen waren total unrealistisch.

Mein Autohaus arbeitete seit Jahren mit der Firma Steenbuck Automobile in Gödenstorf – Lübberstedt – spezialisiert auf Old- und Youngtimer- zusammen. Herr Grädener hatte die Hoffnung, dort doch noch fündig zu werden. Ein paar Wochen später machten wir uns auf den Weg nach Gödenstorf – Lübberstedt. Der dortige Verkaufsberater, Herr Rainer Nordt, zeigte uns einige 230 CE Modelle, aber die jeweiligen Zustände entsprachen nicht meinen Vorstellungen. Enttäuscht wollten wir schon wieder die Heimfahrt antreten, als Herr Nordt uns sagte, dass noch ein 230 CE in einer anderen, etwas entfernten Garage untergestellt sei. Vielleicht wäre der der Richtige.

Nach einer kurzen Fahrt, erreichten wir eine Scheune. Als das Tor geöffnet wurde, stand dort zwischen diversen Oldtimern ein champagner – farbener 230 CE.
Er hatte zwar nicht die Farbe, die ich eigentlich wollte, aber dafür war der Wagen in augenscheinlich gutem Zustand. Aus erster Hand, 111.753 km auf dem Tacho und lückenlos Scheckheft gepflegt. Der Vorbesitzer war verstorben und seine Frau wollte den Wagen nun aus Altersgründen verkaufen.

Nach eingehender Untersuchung des Wagens durch Herrn Grädener und der Möglichkeit einer Umlackierung entschloss ich mich dann schnell zum Kauf. Meine Preisvorstellung wurde von der Verkäuferin akzeptiert und das Projekt „Traumauto Silberhochzeit” war nicht mehr zu stoppen.

Nächste Schritte: Überführung des Benz zum Autohaus Paasche nach Ellerau. Vollinspektion und Beheben von eventuellen technischen Mängeln, Aufbereitung des Innenraums, neue Fuchsfelgen, einige Chromteile erneuern sowie Teillackierung wegen ein paar kleiner Roststellen. Von einer totalen Umlackierung auf grün-metallic riet man mir ab, da dies den Wert des Wagens vermindert hätte.
Da die Silberhochzeit erst in zwei Jahren war, gab es keinen besonderen Zeitdruck, und das Autohaus Paasche leistete hervorragende Restaurierungsarbeiten.
Das Ergebnis: Ein Prachtstück, wie man auf den Fotos sehen kann, das bei der folgenden Bewertung des TÜV-Nord mit dem Zustand 2 + bewertet wurde.
Meine Frau durfte natürlich von meinem “Projekt” nichts wissen, und so war nur ein sehr kleiner Kreis eingeweiht.

Problematisch war allerdings die Unterbringung des Wagens. Wo sollte er bis zum Tag der Silberhochzeit stehen? Die Garage bei unserem Haus konnte ich natürlich nicht nutzen und einen freien Platz bei einem Nachbarn anzumieten, war mir auch zu riskant.

Frauen haben bekanntlich ein sehr gutes Gespür, wenn Männer etwas verheimlichen wollen. Meine Frau ist da keine Ausnahme. Mit etwas Glück fand ich eine Garage in einem Nachbarort, in der mein “neuer” 230 CE bis zur Silberhochzeit gut untergebracht war. So oft es ging , “schlich” ich mich zur Garage und unternahm kleine Ausflüge oder arbeitete liebevoll an der Pflege meines Autos. Während dieser Zeit wurde ich zum Meister der Vorwände, wenn ich das Haus für einige Stunden verlassen wollte.
Dann war es endlich soweit. Der Tag der Silberhochzeit stand vor der Tür.

Mein Schwager und seine Frau hatten uns vor 25 Jahren zum Altar gefahren und erklärten sich gerne bereit, an unserem Hochzeitstag wieder Chauffeur zu spielen. Das wäre fast noch schiefgegangen, da mein Schwager in den USA lebt und sich ein paar Wochen vor unserem Festtag einer Augenoperation unterziehen musste. Das bedeutete für eine längere Zeit Flugverbot. Erst zwei Tage vor dem Hochzeitstag durfte er wieder fliegen.
Der Wagen wurde mit Blumen geschmückt ( natürlich mit den gleichen wie vor 25 Jahren! ) und wieder zwängten wir uns hinein.

Es musste zwar kein Brautkleid verstaut werden, aber man war nicht mehr so gelenkig wie vor 25 Jahren und wir Männer hatten auch ein paar Pfunde zugelegt.

Die Überraschung für meine Frau war vollends geglückt. Zunächst dachte sie, der Wagen sei für den besonderen Anlass nur gemietet.
Dann rückte ich mit der Wahrheit heraus. Sie konnte es kaum glauben, dass er uns gehörte.

Wenn wir heute mit dem “neuen” 230 CE Ausfahrten unternehmen, erinnern wir uns oft an unsere schönen Touren mit meiner “ersten” Liebe. Zwar ist unser alter/neuer 230 CE champagner – farben mit leicht goldenem Glanz statt grün- metallic. Aber nomen est omen. Ich hoffe, dass er bei liebevoller Pflege unser “Goldener Hochzeitswagen” sein wird. Dann hat er genau die richtige Farbe.

Das hatte ich natürlich alles schon im Voraus geplant!

Michael Torn